Bildungsbücher, gar nicht langweilig

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Es gibt ein paar Bücher, die sich explizit dazu eignen, Freude für bestimmte Schulfächer und Lerninhalte zu wecken. Bücher, die einen neuen Zugang schaffen zu Deutsch, Mathematik und anderem. Wer bereits Freude an diesen Fächern hat, wird sie sowieso genießen. Wer unter einem Unterricht leidet, der Begeisterung nicht aufkommen lässt, erlebt bei der Lektüre vielleicht einen Motivationsschub.

James Krüss: Mein Urgroßvater und ich; Mein Urgroßvater, die Helden und ich

Für alle, denen die Schönheit und vielfältigen Möglichkeiten der deutschen Sprache noch ein wenig fremd sind, eignet sich “Mein Urgroßvater und ich” von James Krüss. Der Junge, Boy, macht Ferien auf der Insel beim Urgroßvater, und während die meisten Erwachsenen dessen schwere Krankheit vor ihm geheimhalten wollen, kommen der große und der kleine Boy eigentlich ganz gut damit zurecht. Sie ziehen sich zurück und dichten um die Wette auf die Rückseiten alter Tapetenrollen. Mal ein Gedicht, in dem jede Zeile mit einem anderen Buchstaben des Alphabets anfängt, mal zu bestimmten Themen. Zwischendurch erzählt der Urgroßvater Geschichten aus allen Zeiten, und die Woche zu zweit vergeht wie im Flug.

Altersempfehlung: 8 – 13 Jahre

 

Es gibt einen zweiten Band, “Mein Urgroßvater, die Helden und ich“, in denen die beiden zum Thema “Wahres und falsches Heldentum” erzählen, philosophieren und dichten. Von den Helden der Antike bis zum Eichhorn Willibald, das einem Bären mutig die Meinung sagt, werden alle Facetten des Heldentums besprochen. Die liebenswerte Umgangsweise des Großvaters mit Boy gibt dem Buch einen warmen Ton und strahlt Geborgenheit aus. Boy wird ernst genommen, und der Urgroßvater hat wirklich Wertvolles zu erzählen, was Boy zu schätzen weiß. Das ideale Großvater-Enkel-Verhältnis, das auch über den Tod von Großeltern hinaus prägend wirken kann.

Altersempfehlung: 8 – 13 Jahre

 

H. M. Enzensberger: Der Zahlenteufel

Wer Mathe hasst, findet sich im “Zahlenteufel” von H.M Enzensberger wieder. Die Hauptfigur kann dem schulischen Matheunterricht so gar nichts Schönes abgewinnen. Passenderweise trägt das Buch den Untertitel “Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben“. Das Buch setzt keinerlei Wissen voraus und versucht nicht, Rechnen zu lehren, sondern elegante Grundzusammenhänge der Mathematik zu erklären. Es möchte durch humorvolle Erzählweise die Angst vor der Mathematik nehmen und die Faszination für rätselhafte Zusammenhänge wecken – durchaus mit Erfolg.

Altersempfehlung: 9 – 15 Jahre

und für Eltern, die Mathematik selbst gehasst haben oder ihr Kind begeistern wollen

 

Peter Hacks: Prinz Telemach und sein Lehrer Mentor

Den unterhaltsamsten Zugang zu den Sagen des klassischen Altertums bietet “Prinz Telemach und sein Lehrer Mentor” von Peter Hacks. Telemach, der Sohn des Odysseus, geht mit seinem vermeintlich selbstgewählten Lehrer Mentor auf Reisen, um seinen Vater zu finden. Begleitet wird er von “Schulz”, dem Frettchen der Minerva. Unterwegs lernen wir Neptun und seine Gattin Salzmarie, Calypso, die Hochzeiter, Penelope und andere bekannte Gestalten der Odyssee kennen. Sehr zu empfehlen ist auch das dazugehörige Hörspiel, das bereits Kinder im Grundschulalter mit Vergnügen hören, selbst wenn sie nicht alle Anspielungen verstehen.

Altersempfehlung: 6 (Hörspiel) / 8 – 14 Jahre;

auch für Erwachsene vergnüglich

 

Ernst Gombrich: Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser

Eine lange Geschichte über die Geschichte hat der berühmte Kunsthistoriker Ernst Gombrich erstmals 1935 extra für Kinder verfasst und vor seinem Tod 2001 nochmals überarbeitet: Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser. Gombrich schafft es, ohne viele langweilige Jahreszahlen den Bogen von der Bronzezeit bis zu seiner eigenen Lebenszeit zu spannen und dabei Entwicklungen und Zusammenhänge kindgerecht zu erklären. Besonders gut gefällt mir, dass es im Gegensatz zum eurozentrierten Geschichtsunterricht in der Schule hier wirklich um eine Welt-Geschichte geht. Mesopotamien und Asien z.B. werden ausführlich behandelt. Die Ereignisse ab dem 1. Weltkrieg erzählt Gombrich entlang seiner eigenen Lebensgeschichte, und zu den anderen Epochen stellt er immer wieder bedeutende Figuren ihrer Zeit vor. Wenn man von den üblichen Neandertaler-Klischees am Anfang absieht, ein wirklich gelungenes Geschichtsbuch für Kinder und Jugendliche. Es gibt übrigens auch ein sehr schönes Hörbuch dazu, gelesen von Christoph Walz.