Putzige sprechende Tiere

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Es gibt eine ganze Reihe von Büchern mit sympathischen, teils lustigen, teils nachdenklich stimmenden Tierfiguren, die wie Menschen sprechen und agieren. Sie eignen sich vom Anschluss an das erste Lesenlernen bis ca. 11-12 Jahre, je nach Interesse. Wer die Nase voll hat von “Liliane Susewind” mit der bösen Karrieremutter und dem tollen Heilpraktiker-Vater; von dem eitlen Mädchen, das mit seiner Intuition fast schon kinesiologisch die richtigen Medikamente erspürt, aber die Lösung von Problemen immer ihrem besten Feund überlässt, den sie allerdings primär wegen seines guten Aussehens schätzt (ja, ich mag diese Reihe nicht), der findet hier besseres für tierbegeisterte Kinder.

 

Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden

Es wohnt vielleicht nicht jedem Anfang ein Zauber inne, wie Hermann Hesse meinte, aber “Wind in den Weiden” ganz sicher. Dieses Buch spricht seit 100 Jahren auf ganz eigene Weise zutiefest die Empfindsamkeit romatisch veranlagter Menschen an. Besonders der kleine Maulwurf hat einen festen Platz in meinem Herzen gefunden; wie er bei der winterlichen Wanderung mit Ratte versucht, sich das Heimweh zu verkneifen, obwohl er seinen Bau wittert, das kann fast zu Tränen rühren. Das Buch plätschert durch ein Jahr im Leben der Tiere am Fluß und im “großen Wald” dahin. Der kleine Maulwurf freundet sich mit der Wasserratte an, wird vom ehrfurchtsgebietenden und leicht grimmigen Dachs aus der Patsche gerettet, und bemüht sich später mit diesen Freunden gemeinsam, den adligen Kröterich zur Räson zu bringen. Der steckt sein vieles Geld in immer neue Fahrzeuge, je nach wechselnder Begeisterung, und richtet – blind vor Besitzerstolz und bar jeder Rücksichtnahme – eine Menge Schaden auf der Landstraße an.

Der Zauber des Buches ist filigran und im englischen Original am besten zu entdecken. Auf Deutsch braucht es dazu eine exzellente, feinfühlige Übersetzung. Die einzig angemessene stammt von Harry Rowohlt. Das zeigt schon die erste Seite: Da sagt der Maulwurf im Original “Hang spring-cleaning!” – und bei Rowohlt wird daraus nicht, wie bei vielen anderen Versionen, “verdammter Frühjahrsputz”, sondern: “Zum Henker mit dem Frühjahrsputz”. Eine Kleinigkeit? Nein, denn der Maulwurf würde nie “verdammt” sagen – und “zum Henker” ist so nah an “hang”, wie es nur geht. Lieblose und schlechte Übersetzungen gibt es  schon genug; diese hier ist die einzig gute, und die herrlichen, zeitgenössischen Illustrationen von E.H. Shepard machen den etwas höheren Preis zu einer gelungenen Investition.

Altersempfehlung: 8 – 80 Jahre

 

Andreas Schmachtl: Snöfrid aus dem Wiesental

Snöfried muss sein gemütliches Leben aufgeben, um Prinzession Gunilla aus den Händen fieser Trolle zu retten. Eigentlich sieht er sich nicht als Held und Abenteurer, aber, “Hm…”, man kann es ja mal versuchen. Ein gruselfreies, unterhaltsames, jovial und auch für Vorleser spaßiges nordisches Abenteuer.

Inzwischen gibt es schon einen zweiten Band: Die ganz und gar abenteuerliche Reise zu den Nebelinseln

Altersempfehlung: 7 – 10 Jahre

 

Max Kruse: Urmel aus dem Eis

Die Urmel-Bücher sind durch die Marionetten-Versionen der Augsburger Puppenkiste vermutlich allen heutigen Eltern aus der eigenen Kindheit bekannt. Auch heute ist das ein richtig netter Schmöker für junge Leser: Nicht zu riskante Abenteuer, schrullige Figuren, und als besondere Herausforderung die verschiedenen Sprachfehler der einzelnen Tiere, die Professor Habakuk Tibatong zu heilen versucht. Eine ältere Dame aus meiner Verwandtschaft trägt übrigens tatsächlich den Spitznamen “Wutz”, weil ihre Kinder sich durch ihre ruppige Fürsorglichkeit an die Wutz aus dem Urmel erinnert fühlten… Was nur zeigt, wie nachhaltig einem die Figuren im Gedächtnis bleiben.

Lohnend sind übrigens die Hardcover-Gesamtausgaben “Das dicke Urmel-Buch” aus dem Thienemann-Verlag. Sie enthalten folgende Bücher:

Altersempfehlung: 7 – 10 Jahre

Hugh Lofting: Doktor Dolittle und seine Tiere

Der erste Band der klassischen Doktor-Dolittle Reihe, Doktor Dolittle und seine Tiere, liegt in einer neuen Übersetzung vor, die man bereits Kindergartenkindern gut vorlesen kann. Doktor Dolittle lässt sich von Papagei Polynesia die Sprache der verschiedenen Tiere beibringen und kann daher jedem Tier so helfen, wie es das wirklich braucht. Bald wird er bei den Tieren berühmt und der Andrang in seiner Landpraxis in Puddleby ist groß…

Da die Geschichten seit fast 100 Jahren dauerhaft beliebt bei Kindern sind, gab es im Lauf der Zeit viele verschiedene Ausgaben der Reihe. Dennoch sind sie immer wieder rasch ausverkauft und die späteren Bände (u.a. Doktor Dolittles Zoo, Doktor Dolittles Postamt, Doktor Dolittles Tieroper, Doktor Dolittles schwimmende Insel) sind teils nur gebraucht zu bekommen. Es gibt auch einige gekürzte, reichlich bebilderte Ausgaben für Erstleser. Das sind: Doktor Dolittles Reise nach Afrika, Doktor Dolittle auf der Drachenkopfinsel, Doktor Dolittles Auftritt im Zirkus, Doktor Dolittles rasende Retter.

Altersempfehlung: Zum Vorlesen ab 4 Jahren; Erstleser s.o., Rest ab 7 Jahren

 

Michael Bond: Geschichten von Paddington

Der Bär mit dem Südwester, der Orangenmarmelade liebt, bringt seine Londoner Pflegefamilie ganz schön durcheinander – aber dadurch auch näher zusammen. Für alle, die England mögen und “Pu der Bär” zu beschaulich oder abseitig finden.

 

Altersempfehlung: 8 – 11 Jahre

 

Alan Alexander Milne: Pu der Bär

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Pu der Bär oder Winnie-der-Pu, wie er in der Übersetzung von Harry Rowohlt konsistent heißt. Einerseits ist es schwer, sich der Putzigkeit der Figuren und ihren charmanten Idiosynkrasien zu entziehen, selbst Disney konnte das nicht zerstören. Auch spiele ich bei Wanderungen immer noch gerne das Stöckchenspiel an der Brücke mit meinen Kindern. Andererseits bin ich vorgeschädigt durch die penetrante, grenzdebile Stimme Pus in den deutschen Verfilmungen und durch seine Allgegenwärtigkeit auf Windeln, Schnullern und anderen Babyprodukten – die dem Pu aus dem Buch aber Unrecht tun. Auch wenn ich selbst die gar unbeholfene Ausdrucksweise des netten, dummen Bären und Milnes Schreibstil anstrengend finde: Man sollte Pu eine Chance geben.

Altersempfehlung: Zum Vorlesen ab 5-6 Jahren, ansonsten 7-9 Jahre

 

Philippa Pearce: Der kleine Herr im schwarzen Samt

In der Wiese hinter dem Hause findet Bess einen kleinen Maulwurf – der gespannt den Geschichten lauscht, die man eigentlich ihr erzählt. Der Maulwurf entpuppt sich als sprechender, verzauberter Wühler, und obwohl die Haushälterin tiefe Abneigung gegen das Tier hegt, besucht Bess ihn weiterhin. Bald kommt ihr eine Idee: Wenn der Maulwurf verzaubert ist, muss er nur lernen, das Verzaubertsein selbst zu steuern um den Fluch wegzuzaubern. Solange sollte er aber ersteinmal üben – zum Beispiel, indem er Bess schrumpft und ihr seine unterirdische Welt zeigt…

Altersempfehlung: 8 – 11 Jahre

Roald Dahl: Der fantastische Mr. Fox

Leicht verrückt, wie alle Roald Dahl Bücher, voller Seitenhiebe auf verschiedene seltsame Zeitgenossen, lustig und spannend, und noch dazu gut geeignet für Erstleser: Das ist der fantastische Mr. Fox. Ein Turbo-Fuchs sozusagen, jenseits von aller Wald-und-Wiesen-Idylle. Er plant einen Coup nach dem anderen und legt sich dadurch mit den drei Bauern Grimm, Grob und Gräulich an. Die haben es nun auf sein Fell abgesehen – ist Mr. Fox fantastisch genug, um dem zu entgehen? Oder muss er am Ende einen anderen Weg wählen, um Frieden zu haben? Der Schluss der Geschichte lädt durchaus zum philosophieren ein…

Altersempfehlung: Für Erstleser geeignet, 6 – 9 Jahre

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